Seit Donnerstag ist meine israelische Austauschschülerin Sapir wieder verschwunden und ich hab die Woche tatsächlich überlebt. Diese Gruppe war ein Jugendorchester aus Tiberias. 5 davon waren so religiös, dass sie Freitags nach Offenbach in die jüdische Gemeinde dort verschwunden sind, um Sabbat richtig zu feiern. Am Sonntagmorgen kamen sie dann wieder. 3 oder 4 haben richtig koscher gegessen, wobei sich eine (mein Liebling) hier in Deutschland zusammengerissen und auch mal weniger streng drauf geachtet hat, aber 2 haben sogar Essen selbst mitgebracht, ich hab auch Gerüchte von Extratellern gehört. Bei einer "Party" für alle am Dienstag gab es Fingerfood und eine Gastmutter hat sich furchtbar aufgeregt: "Die ganze Woche haben wir versucht so koscher wie möglich zu kochen, wir waren mit ihr einkaufen und alles, aber nie hat sie bei uns irgendwas angerührt und sich bei den Mahlzeiten in ihrem Zimmer verkrochen. Und hier?! Hier ist sie alles, als hätte sie eine Woche hungern müssen!" Wow.
Zum Glück hatte ich das Problem nicht :) Sapir ist sehr verwöhnt, ihr Teller sieht immer aus wie ein Schlachtfeld und obwohl sie nicht koscher isst, war es immer ein Ratespiel was sie jetzt wohl mag und was nicht. Dabei hatte ich sie vorher extra gefragt und es sah so aus als gäbe es nichts was sie nicht mag! Aber sie hat Tomaten aussortiert, mag keinen Räucherlachs, Knoblauch auch nicht und Käse nur, wenn er fast keinen Geschmack hat, sonst ist er ihr zu stark.
Sie hatte Angst alleine zu schlafen, deshalb hab ich eine Woche auf meinem Bettsofa geschlafen. An sich kein Problem, aber dadurch war sie quasi 24 Stunden neben mir und irgendwann hab ich nen Gruppenkoller gekriegt. Abends ging sie auch erst hoch, wenn ich auch hoch bin. Dazu hatte sie so eine Art "Im afraaaiid!" zu jammern, die ich hoffentlich nie wieder hören muss. "HEEnniiiiIIii, come on!" gehört auch dazu. Sie hat übrigens so laut geschmatzt, dass ich mich gefragt habe ob sie sich damit beim Kaugummikauen nicht selbst nervt. Sie hat ein sehr hübsches Gesicht, aber ihr Klamottengeschmack passt so wenig zu ihrer Figur (ich glaube allerdings der würde zu niemandem richtig passen), dass sie sich selbst verschandelt. Oh Gott klingt das gemein. Aber Kia kann bezeugen dass ihr Ultraminiröcke nicht stehen. Ihr war/ist völlig egal wo ihr Rock hängt (Ich hab ihr Höschen gesehen) und auf der Straße wurde ihr ständig komisch nachgeguckt. Fällt mir noch was negatives ein?
Achwas, ich muss sagen, am Anfang hat sie mich sehr genervt, aber dann mochte ich sie immer lieber. Eigentlich war sie wunderbar unkompliziert (wenn auch auf fast charmante Weise langsam) und man darf sie nicht unterschätzen, auch wenn sie einem vorkommt wie ein oberflächliches eitles Dummerchen. Auf ihre Art ist sie unheimlich selbstbewusst und wir haben uns abends immer stundenlang unterhalten.
Der Vergleich mit denen aus Haifa!
Haifa: Ein großer Haufen lustiger Leute, sehr offen, sehr gesprächig, sehr interessiert
Tiberias: Ein kleinerer Haufen, teilweise 14jährige, die Jungs reden fast nicht mit einem und kommen auch nicht auf einen zu. Die religiösen Mädchen waren sehr still und immer viel zu warm angezogen.
Ich muss sagen, die Haifianer hab ich total vermisst als sie weg waren. Diese Gruppe nicht so sehr, aber es waren wirklich liebe Leute dabei. Ich probier das mal mit den Fotos hier.
Das ist Noy. Sie ist wunderbar :) sie hat sich am ersten Tag Birkenstocks gekauft weil sie die so toll findet und mehrere andere habens nachgemacht. Sie kann leider kaum Englisch. Sie ist unheimlich lustig und ich muss sagen, sie werde ich vermissen.
Das ist das normalste Foto von Sapir, dass ich finden konnte, in der Uniform des Orchesters.
hier mit Monobraue :D
kleines Gruppenfoto in Worms. Von links: Juliane (Deutsche), Sheyna, Talia, Sapir und so eine komische die sich einfach dazu gestellt hat.
hier Talia und Naama. Brezelfans.
Aufm Backfischfest in Worms. Hintere Reihe v. l.: Nora (Deutsche), meine wunderbare Noy, Juliane, Talia, Naama, Ich, Sapir (Das ist übrigens ihre Standard-Rocklänge. Wie "welcher Rock"?)
Vorne: Olivia (Dt.), Sheyna, Paula (Dt.)
Puh, ob wohl irgendjemand Lust hat so einen langen Text zu lesen?
Denkt nicht ich hasse meine Austauschschülerin! Sie ist ein bisschen verwöhnt, aber sehr lieb.
Die 50 Shekel-Scheine in Israel sind übrigens neuerdings aus Plastik. DAS fand ich interessant.